

Bauerngarten mit Sonnenblumen 1905/6 G. Klimt
Hier soll jetzt keine wissenschaftliche Abhandlung über den Bauerngarten gegeben werden, sondern einige Gedanken über die Entstehung und Entwicklung derselben. Ausführlich kann man es im Buch von Christiane Widmayr nachlesen.
Angefangen hat's sicher in grauer Vorzeit: Es gibt wohl nichts natürlicheres,
als ein Stück Land zum Anbau von Gemüse zu nutzen und einzuzäunen
- zum einen als Schutz vor wilden Tieren, zum anderen sicher auch als Abgrenzung
für die eigenen Haustiere. Die Sau, die im eigenen Gemüse wühlt,
schafft wenig Freude.
Im Laufe der Geschichte, vielleicht im Mittelalter, ergab sich dann eine "Dreiteilung"
der Gartenformen:
Allen drei ist gemeinsam, dass die Nahrungsbeschaffung ihr Hauptzweck war.
Der Burggarten hatte aber auch repräsentative Funktionen, der Klostergarten
war oft auch Heilkräutergarten und der Bauerngarten auch Blumengarten zum
Schmuck fürs Haus. Auch waren die Übergänge fließend: reiche
Bauern legten sich Gärten an, die die Pracht der Burggärten imitierten,
um ihren Wohlstand zu zeigen.
Und so übernahmen viele Bauerngärten in der Gestaltung Grundformen
des Klostergartens: ein Wegekreuz mit einem Rondell in der Mitte, davon abzweigende
Wege, die die Beete unterteilten, vielleicht auch die Eingrenzung der Beete
mit Buchs.
Welche Pflanzen angebaut wurden, ergab sich aus dem Zweck des Gartens: im Bauerngarten also zuerst Gemüse, Küchenkräuter, vielleicht ein paar Heilkräuter und Blumen für den Schmuck vor und im Haus. Hierbei spielte sicher Überlieferung eine große Rolle - welche Pflanzen waren winterhart, brachten gute Erträge etc. Aber es wurde auch in den Garten gepflanzt, was woanders gut gedieh. So erließ schon Karl der Große (oder sein Sohn, so genau weiß man's nicht) eine Liste von Pflanzen, die in seinen Gütern bevorzugt angebaut werden sollte: das "Capitulare de villis et curtis imperialibus". Viele Pflanzen daraus findet man noch heute in unseren Gärten, andere sind verschwunden.
Mit den weiten Reisen und Entdeckungsfahrten kamen nun immer mehr exotische Pflanzen nach Mitteleuropa, zuerst in die Schlossgärten. Von dort wurden sie, sofern sie sich als robust uind nützlich erwiesen, in den Bauerngarten übernommen. Aber es kamen auch durch den Handel andere und vor allem billigere Gemüsesorten, was den Niedergang des Bauerngartens einläutete. Nur noch in Notzeiten erlebte der Bauerngarten als Nahrungslieferant eine kurze Blüte.
Auch heute kann sich jeder im Supermarkt unabhängig von der Jahreszeit
mit Obst, Gemüse und Blumen versorgen. Die Renaissance des Bauerngartens
ist also eher eine Sache der Traditionspflege und des gesunden Gärtnerns
geworden.